Second Cockpit

Unsere Forschung beschäftigt sich auch mit der Fragestellung, wie eine Konnektivität zwischen Fahrzeug und mobilen Endgeräten, wie bspw. einem Smartphone, ausgeweitet werden kann. Bisher fokussiert die Automotive UI Forschung auf in-vehicle Visualisierung von Daten, oder die Einbindung externer Geräte, wie Smartphones in die in-vehicle Inforationssysteme. Bei der Vehicle-to-X-Kommunikation werden jedoch meist Bedarfe des Fahrers außen vor gelassen und auf kommerzielle Drittanbieter oder andere digitale Infrastrukturen fokussiert.

Durch umfangreiche sowohl qualitative als auch quantitative Studien zum Thema Bedarfe in der Datenvisualisierung im Connected Car, haben wir das Konzept des „Second Cokcpits entwickelt“. Dabei lag das Hauptaugenmerk auf sogenannten „Car-2-X“-Kommunikationskanälen, welche den Datenaustausch zwischen Fahrzeug und externen Quellen beschreiben.

Eine Marktanalyse ergab, dass sich grundsätzlich drei verschiedene „Car-2-X“-Applikationen differenzieren lassen:

OEMs (Original Equipment Manufacturer – zu deutsch: Originalausrüstungs-Hersteller) bieten eigene Applikationen an, mit denen Einstellungen am Fahrzeug vorgenommen werden können. Als Beispiele seien hier „My BMW Remote“, „Mercedes Me“ und „Audi MMI Connect“ genannt. Die Funktionalität umfasst hauptsächlich die Steuerung der Klimatisierung im Auto, die Lokalisierung des Fahrzeugs, sowie Ver- und Entriegelungsoptionen. Weiterhin können Informationen zum Tankfüllstand, Reiferndruck und dem Fensterstatus abgerufen werden. Die App von Audi ermöglicht zusätzlich noch den Zugriff auf ein Webradio, eine Mediathek und weitere Angebote, wie z. B. Musik-Streaming-Apps. Jedoch sind einige Mängel hinsichtlich des Funktionsumfangs und der technischen Umsetzung erkennbar.

 

Sogenannte OBD-Systeme (On-Board-Diagnose-Systeme) überwachen während des Fahrbetriebes abgasbeeinflussende Systeme und wichtige Steuergeräte des Autos. Auftretende Fahrzeuginformationen können mittels eines Auslesegerätes über eine normierte Schnittstelle abgerufen und mittels einiger erster Applikationen, wie z. B. der App „Dash“, verarbeitet werden. Alle weisen dabei einen ähnlichen Funktionsumfang auf, welcher nachfolgend näher umschrieben wird:

Fahrzeugdiagnose: Diese Funktion listet alle Fehlermeldungen aus dem Fehlerspeicher des Fahrzeugs. Eine genauere Typisierung des Fehlers ist jedoch nur teilweise vorhanden und zumeist unzureichend erläutert.

Fahrzeugfinder: Anhand der GPS-Position kann das Auto lokalisiert und per Kartenansicht angezeigt werden.

Logbuch: Das Logbuch listet zurückgelegte Strecken auf und stellt zugehörige Informationen, wie z. B. den benötigten Sprit oder die Fahrtdauer, bereit.

Fahrstilanalyse: Hier werden Informationen zur durchschnittlichen und höchsten Fahrgeschwindigkeit, stärkeren Brems- und Beschleunigungsvorgängen berücksichtigt.

Angebote: Tankstellen in der Umgebung werden angezeigt und teilweise mit Informationen zu Spritpreisen und dortigen Dienstleistungen bestückt.

Gamification (zu deutsch: Spielifizierung): Anhand des Fahrstils werden Punkte vergeben. Diese können teilweise mit anderen Nutzern verglichen werden.

Reparaturhilfen: In wenigen Apps werden bei Fehlermeldungen zugehörige Reparaturhilfen innerhalb der App angeboten.

 

Weiterhin ergänzen Smartphone-Applikationen, wie bspw. „Car Home Ultra“ eine benutzerfreundliche Nutzung des Smartphones während der Fahrt. Diese Apps beschränken sich jedoch hauptsächlich auf per Sprachbefehl ausführbare Apps und Funktionen des Smartphones.

 

Diese Ergebnisse lassen erkennen, dass offensichtlich ein hoher Bedarf an einer Smartphone-Integration besteht. Die zunehmenden Funktions- und Informationsinhalte durch Connected Cars erfordern dabei passendere Visualisierungsmöglichkeiten, welche die aktuell vorwiegend technisch-orientierten aufbessern und möglichen noch unbekannten, aus Nutzersicht jedoch relevanten Anforderungen genügen.

Daher entwickeln wir anhand von diversen Studien ein Automotive Management System, welches den nutzerspezifischen Anforderungen sowohl visuell als auch informell genügen soll. Die Probanden deckten dabei eine breite Zielgruppe ab, welche nach Geschlecht, Beruf, Alter, Wohnsituation und dem Besitz eines Fahrzeugs differenziert wurde.

Aus den Fokusgruppen ergaben sich folgende Anforderungen und Wünsche an unseren Prototypen:

Defekte & Schäden: Die Nutzer wünschen sich eine sofortige Information über Defekte und Schäden am Fahrzeug, sowie eine zugehörige Hilfe zur eigenständigen Reparatur.

Verschleißteile: Neben den Defekten und Schäden werden Informationen zu Verschleißteilen und deren aktueller Abnutzungserscheinung gefordert, um mögliche Schäden frühestmöglich abzuwenden.

Umgebungsinformationen: Angebote zu Events, Plätzen und Services im Umkreis sollen das Fahrerlebnis verbessern.

To-Do-Liste: Termine und Erinnerungen rund um das Fahrzeug, wie Abgas- und Hauptuntersuchungen, sowie regelmäßige Kontrollen von Ölfullstand und Reifendruck.

Finanzübersicht: Übersicht über die Unterhaltskosten des Fahrzeugs, wie Spritverbrauch, Spritkosten, Steuer und Versicherung, Werkstattkosten und den aktuellen Zeitwert des Fahrzeugs.

Livemeldungen: Die Probanden möchten unverzügliche Warnbenachrichtungen erhalten, z. B. wenn das Licht des Autos nicht ausgeschaltet wurde, ein Ölverlust auftritt, die Handbremse nicht angezogen wurde oder sich ein Marder im Motorraum eingenistet hat. Auch individuelle Nachrichten, wie z. B. die Ankunftszeit des Partners sind erwünscht.

Anhand dieser Ergebnisse wurde folgender Prototyp entwickelt:

Menü: Defekte: Verschleiß:
     
Termine: Fahrzeugzustand: Umgebung:
     
Fahrtenbuch: